„mundArt“ – Deutsche Dialekte in Tschechien: Ein Projekt der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik

Knapp 19.000 Menschen bekennen sich heute noch zur deutschen Minderheit in Tschechien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Mehrzahl der Deutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben, nur wenige durften bleiben. Dabei handelte es sich entweder um tschechisch-deutsche Familien, um erklärte „Antifaschisten“ oder um unabkömmliche Facharbeiter. Deutsch verschwand aus dem öffentlichen Leben und wurde nur noch in den Familien gesprochen. Speziell die jüngeren Angehörigen der Minderheit waren einem großen Assimilierungsdruck unterworfen und pflegten ihre Familiensprache nur sehr eingeschränkt. Darunter litten vor allem die zahlreichen deutschen Mundarten. Bei der älteren Generation hingegen wurden die Dialekte konserviert. Die Vielzahl und Einzigartigkeit dieser inzwischen leider fast ausgestorbenen Dialekte dokumentiert das Projekt „mundArt“.

Karte

Eveline Res, Horní Město/Bergstadt Helmut Schramme, Králíky/Grulich Otto Karmin, Trutnov/Trautenau Roland Wiesner & Irma Patzelt, Trutnov/Trautenau Annelies Taubová, Žacléř/Schatzlar Rosa Tupá, Svoboda nad Úpou/Freiheit an der Aupa Erna Šídová, Jablonec nad Nisou/Gablonz an der Neiße Hildegard Skopová, Rumburk/Rumburg Jan Müller, Rumburk/Rumburg Erika Fuksová, Jirkov/Görkau Helga Vaňková, Květnov/Quinau Gerhard Krakl, Abertamy/Abertham František Severa, Rudné v Krušných horách/Trinksaifen im Erzgebirge Eudard Kraus, Abertamy/Abertham Richard Šulko, Plachtín/Plachtin Elfriede Šulková, Plachtín/Plachtin Adolf Beyer, Český Krumlov/Krummau Emma Marx, Větřní/Wettern

Sprachwissenschaftler unterscheiden fünf deutsche Dialektgruppen in Tschechien – von Ostmitteldeutsch im Norden, Ostfränkisch im Nordwesten, Mittelbairisch im Süden, Nordbairisch im Westen sowie Schönhengster Ostfränkisch auf der nördlichen Böhmisch-Mährischen Höhe. Wenn Sie in der Karte auf die Symbole klicken, können Sie Beispiele der jeweiligen Mundarten hören.

 

Dokumentarische Kurzporträts

Begonnen hat das Projekt mit Audioaufnahmen und Fotodokumentationen. Mittlerweile hat es sich zu einer umfangreichen Dokumentarfilmreihe entwickelt.

Die Filmautoren Sebastian Löffler und Simon Römer begegneten Deutschen in den entlegensten Teilen der Tschechischen Republik – z. B. im Adlergebirge, Böhmerwald oder Erzgebirge. Dabei sind einfühlsame Porträts entstanden, in denen die Geschichte der Minderheit nachgezeichnet und die Erfahrungen der „tschechischen Deutsche" geschildert werden. Ganz besonders interessierte die Autoren, welche Rolle die deutsche Sprache im Alltag der Protagonisten einnimmt. Wie wichtig sind ihnen die Mundarten für ihre Identität und ihre Lebensentwürfe? Was macht die Mundart für sie so besonders und warum ist sie so eng mit ihrer Definition von Heimat verbunden? In welchen Kontexten lebt die deutsche Sprache heute noch, wo wird sie überwiegend eingesetzt? Ist es den älteren gelungen, ihre Muttersprache an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben?

Die Porträts, die so entstanden sind, bilden nicht nur ein Archiv einer einzigartigen Sprachlandschaft, sondern auch an individuellen Lebensgeschichten. Eindrucksvoll zeigt jedes einzelne, wie schwer sich die ältere Generation mit der Vorstellung tut, dass mit ihr eines Tages auch ihre Dialekte und Traditionen verschwinden könnten.

 

Projektverantwortlicher

Martin Dzingel

Projektidee und redaktionelle Leitung

Simon Römer

Filmische Umsetzung 

Sebastian Löffler




Das Projekt „mundArt“ wurde finanziert durch Mittel des Bundesministeriums des Innern.

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